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Theater

 „Theater auf der Küchenbank”
    
Erfolgreicher Premiere der KAB-Theatergruppe

Es stimmte. Es stimmte wirklich alles. Die Theatergruppe der KAB
St. Josef Recke überzeugte mit ihrem „Theater auf der Küchenbank”
bis ins letzte Detail – den roten Dessous ebenso wie dem Feinripp der langen Männerunterhosen. Die Kostüme, die Bühnenausstattung und darüber hinaus vor allem die Schauspieler – sie überzeugten alle für sich und vor allem im Zusammenspiel. Die Pointen saßen und die Situationskomik wurde voll ausgespielt. Es war eine gelungene Premiere – echtes Volkstheater.

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Die Küchenbank steht im Mittelpunkt des Theaterstücks: Hier treffen sich (v.l.) Marlies Alkemeyer als Bäuerin, Joachim Bruns als Bauer, Maria Bolte als Oma und Renate Voß als Bauerntochter.                                                                         Fotos: Norbert Hecker

Das war zuerst einmal die Oma Holzer, dargestellt von Maria Bolte. Über- zeugend und den Szenenapplaus wiederholt provozierend, spielte sie die Großmutter, die alles im Griff hatte. Sie zelebrierte geradezu ihre Rolle im Kleinen, zum Beispiel wenn sie die Brille abnahm oder sich trotz aller Rücken- probleme auf der Küchenbank hinlegte. Im Großen dirigierte sie ihre Mitspieler mit ihrer energischen und Respekt einflößenden Stimme dahin, wohin sie sie haben wollte. Die Oma erhielt beim Schlussapplaus den größten Beifall. Ihr Sohn, der Bauer, gespielt von Joachim Bruns, gefiel in den kleinen Gesten, den vielsagenden Griffen in seine Hosenträger. Seine Stimmführung war beachtlich variantenreich. Freud und Enttäuschung lagen ausdrucksstark und dicht beieinander.

Fotogalerie von der Premiere (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken).

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Renate Voß als Bauerntochter flötete zart mit werbender Stimme und setzte energisch durch, was sie erreichen wollte. In wechselnden Kostümen bewegte sie sich angemessen über die Bühne. Ihre Eroberung, der Feriengast Ferdinand Hecht (Richard Riedel), kam unbeholfen und völlig verdattert in Nachthemd und langer Feinrippunterhose mit Schlafmütze in die Küche des Ferienbauernhofes. Sein lang anhaltendes Zittern war schon des Bewunderns wert. Er gefiel ebenso wie Marlies Alkemeyer als Bäuerin, die wandlungsfähig das Chaos auf der Küchenbank energisch und erfolglos zu ordnen versuchte. Sie musste immer neu gegen ihren dominant aufspielenden Ehemann ankommen. Dass ihr das gelang, spricht für ihre Darstellungsleistung.

Das Ehepaar Schlüders, das als Feriengäste auf den Bauernhof gekommen war, wurde gespielt von Marlies Riedel und Norbert Hoppe. Während er im Zusammenspiel mit seiner Ehefrau den Getriebenen und Folgsamen mimte, trumpfte er in den „Männerszenen“ richtig auf und hatte die Chance, seinen schauspielerischen Erfahrungsschatz zu zeigen. Auch Marlies Riedel bewies ihre ganze Wandlungsfähigkeit in den „Frauenszenen”. Besonders überzeugte sie als Fitness-Trainerin und Visagistin für Oma und die Bäuerin und auch als Verlassene, die sich mit dem Nachbarn Andreas (Michael Böggemann) tröstet.

Elke Schröer als Nachtclub-Tänzerin Urheberin einer Vielzahl von Komplika- tionen auf dem Hauptrequisit, der Küchenbank, hatte eine Sonderrolle. Sie spielte sie ohne Überzeichnung und löste durch ihr bloßes Erscheinen und
der Selbstverständlichkeit ihres Auftretens die Verwirrung aus. Ihr Outfit deutete alles an, ohne selbst zum Thema zu werden. Die Kostüme – verant- wortlich Mechtild von dem Brinke und Anne Zurlinden – waren wie der Schrank aus der Zeit des Gelsenkirchener Barock konsequent gewählt und ergaben ein harmonisches Gesamtbild.

Regisseur Alfred Rethmann ließ in dem pointenreichen Volksstück die Handlung in ihrer Situationskomik voll ausspielen. Kein Stichwort blieb unausgenutzt und kein Klischee unbedient. Darin lag neben dem wirklich gelungenen Spiel der Mimen als Ensembleleistung der Grund für den hohen Unterhaltungswert. Zum Ende hin allerdings zerfasern die Handlungsstränge und nach mehr als zwei Stunden Spiel auf der Bühne hätte man sich den großen Knall zum Ende gewünscht. Die Schlusspointe dann, dass die Oma alle vom Hof schickt und Ruhe einkehrt, überzeugte wieder. Auch weil Maria Bolte den Schluss voll bis in den Wimpernschlag hinein ausspielte. Und dann stimmte alles wieder.

Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 1. März, um 19.30 Uhr jeweils im Dio-Jugendheim. Karten gibt es im Vorverkauf bei Annette Overberg, Tel.
0 54 53/ 72 05.

Text und Fotos: Dr. Norbert Hecker/IVZ

Mehr Infos über die KAB St. Josef Recke finden Sie
hier.


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